Aktuelle Mitgliederzahl:

140

Besucherzähler

Heute 25

Insgesamt 63662

Klick mich!
Donnerstag, 17 Juni 2021

Die Parkplatz-Lotterie (MZ 18.04.2013)

Die Sangerhäuser Anwohner beklagen die für sie unbefriedigende Situation und möchten, dass die Kurzzeitparkplätze verschwinden. Doch bislang sieht die Stadt keinen Handlungsbedarf. Die Stimmung auf dem Alten Markt ist gereizt. Viele Anwohner sind ganz und gar unzufrieden mit der Parkplatzsituation vor ihren Häusern, die sich aus ihrer Sicht der Anwohner mit dem Neubau des Konzertsaales auf dem Gelände der Kreismusikschule nicht verbessert hat.

Im Gegenteil. Sandra Woitschach-Ilm drückt es auf ihre Weise aus. „Das ist kein Zustand mehr. Ich möchte unser Haus am liebsten verkaufen und wegziehen. Die Parkplatzsuche ist wie eine Lotterie.“ Die Sangerhäuserin hatte aus ihrer Sicht noch das Glück, einen sogenannten Anwohnerparkausweis von der Stadt erwerben zu können. Für 30 Euro im Jahr. Allerdings sind diese Anwohnerparkplätze tagsüber öffentliche Parkplätze, auf denen jeder andere zwei Stunden lang stehen kann. „Ich gehe aber im Schichtdienst arbeiten, bin also zu ganz unterschiedlichen Zeiten zu Hause, da bringt mir das gar nichts“, so Woitschach-Ilm. Ihrer Nachbarin Bettina Becker geht es nicht anders. Sie verfügt nicht einmal über einen solchen Anwohnerparkausweis. Die waren für den Alten Markt schon aus, wie man sagt.
Das Problem der Bewohner ist vielschichtig. Da ist zum einen die alltägliche Sorge um den Parkplatz in Wohnhausnähe tagsüber. Zudem herrsche an den Unterrichtstagen der Kreismusikschule auf dem Alten Markt Hochbetrieb. Schüler werden gebracht, wieder geholt, überall stünden wartende Eltern, Autotüren fallen ins Schloss. „Wirklich schön ist das nicht. “ Noch gravierender werde es, wenn Konzerte stattfinden. „Da wird hier kreuz und quer geparkt, Grundstückszufahrten zum Teil zugeparkt und manchmal stehen die Fahrzeuge auch in zwei Reihen. An solchen Tagen geht nichts mehr hier auf dem Alten Markt.“ Sandra Woitschach-Ilm fragt sich, ob der Träger der Einrichtung mit dem Neubau nicht verpflichtet worden sei, ausreichend Parkplätze vorzuhalten.
Der Träger der Kreismusikschule ist der Landkreis. Und der hat aus seiner Sicht ausreichend gehandelt. Wie es auf MZ-Anfrage heißt, habe man - „um die Parkplatzsituation am Alten Markt nicht zu verschärfen“ - eine Fläche unterhalb des Alten Schlosses erworben, um dort ein Parkplatzangebot zu schaffen. Dabei handelt es sich nach Kreisangaben um 41 Stellplätze. Allein im neu gebauten Konzertsaal finden 350 Zuschauer Platz. Dazu heißt es: „Der Landkreis und die Kreismusikschule weisen in der Ankündigung von Konzerte stets darauf hin, dass der zur Verfügung stehende Parkraum am Alten Markt in Sangerhausen begrenzt ist und verweisen auf durch die Stadt Sangerhausen ausgewiesene öffentliche Parkflächen.“ Kurz und gut: „Aus Sicht der Kreisverwaltung bestehen keine anderen Parkplatzbedingungen als vor Sanierung der Kreismusikschule.“
In gewisser Weise profitiert die Stadt von den Stellplätzen auf dem Markt, da sie bei Kontrollgängen immer Parksünder ausmacht und zur Kasse bittet.Das sehen die Anwohner komplett anders und hoffen auf die Stadtverwaltung. Die kann zunächst den ruhenden Verkehr kontrollieren, tut das mit ihren Ordnungsamtsmitarbeitern auch und „fährt“ damit regelmäßig Geld ein. Ob allerdings der Wunsch der Anwohner erfüllt wird und die Anwohnerparkplätze ausschließlich in Anwohnerparkplätze umgewidmet werden, ist fraglich. Der zuständige Fachbereichsleiter Torsten Schweiger sagte der MZ, dass die Anwohner einen Antrag stellen könnten. Offen sei, wie der beschieden werde. Die Stadt, so Schweiger, kenne die Parkplatznot. Offenbar hatte sie im Zusammenhang mit dem Neubau auch mit einem Stellflächennachweis durch den Träger der Kreismusikschule gerechnet. Wie es aber aus der Kreisverwaltung klingt, ist der nicht geplant.
Die Anwohner wollen jetzt möglicherweise den Stadtrat einbeziehen. Gelegenheit dazu ist auf der Ratssitzung am 25. April.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung