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Freitag, 18 Juni 2021

Musikabend in der Kreismusikschule Konzert von „Lift“ weckt Erinnerungen

Zu DDR-Zeiten waren die Texte wahre Sensationen, heute sind sie Evergreens. Die Rede ist von den Klassikern der Ostrockband „Lift“. Es ist ein Ohrenschmaus, was die Band nun am Sonnabend beim Auftritt in der Kreismusikschule bietet - für Liebhaber des deutschen Rock, für Freunde der zweideutigen Formulierungen und der rauen und gleichzeitig gefühlvollen Stimme des aktuellen Frontsängers Werther Lohse.Das Platzieren von Kernbotschaften zwischen den Zeilen ist wohl eine der prägnantesten Eigenheiten des musikalischen Quintetts. Die Texte sorgten in der Vor-Wende-Zeit für reichlich Aufmerksamkeit: musikalisch ausgedrückte Sehnsüchte, verpackt in Lyrik. Das war notwendig, denn die „Lift“-Texte unterlagen dem Lektorat. Nicht selten kam es vor, dass einzelne Wörter, häufig aber auch ganze Textzeilen aufgrund ihrer Brisanz herausgestrichen oder ersetzt werden mussten, erinnert sich Lohse an die damalige Zeit zurück. „Wir haben den Lektoren aber auch textliche Fallen gestellt. Offensichtlich brisante Stellen reingenommen, von denen wir wussten, dass sie bemängelt werden. Dafür kamen die versteckten Botschaften, die uns wichtig waren, letztlich durch“, erzählt Lohse.

An konkrete Titel kann sich der heute 65-jährige Berliner nicht erinnern. Bei dem fast schon legendären „Lift“-Titel „Nach Süden“ gab es selbstredend Einwände. Doch die Gruppenmitglieder konnten Titel und Liedinhalt vor der Zensur in den 1970er Jahren gut rechtfertigen. Denn Vögel ziehen nun einmal nach Süden. Auch wenn bestimmte Wörter wie „abhauen“ in der DDR nicht gern gesehen beziehungsweise gehört wurden. Die unterschwellige Botschaft hinter den gesungenen Liedzeilen lag freilich in der Sehnsucht nach dem Westen und der Kritik, dass Reisen dorthin nicht möglich sind. „Alle haben gewusst, worum es damals in dem Lied wirklich ging“, schätzt Lohse.
Und weil dieses Lied im Gedächtnis mehrerer Generationen verhaftet ist, darf es beim jüngsten Auftritt der Gruppe im Ludowingersaal der Kreismusikschule nicht fehlen. Mehr als 220 Besucher lauschen. Einige, so wie Gerald Schwarz in der ersten Reihe, singen den Titel mit. „Lift“ hat ihn in seinem Heranwachsen begleitet, geprägt. „Ihre Musik war eine Plattform, Protest zu äußern, und das kam einfach gut an“, erklärt der 55-jährige Sangerhäuser den Reiz, den die Band damals wie heute auf ihn ausübt. Der Hobbymusiker, der zu Hause mehrere Gitarren erklingen lässt, mag Rock insbesondere. „Lift“-Lieder spielt und singt er selbst gern nach. Dementsprechend ist er, als die erste Textzeile aus Lohses Kehle dringt, gleich dabei: „Nach Süden, nach Süden wollte ich fliegen.“ Wortähnlichkeiten wie „fliegen“ und „fliehen“ sind beabsichtigt. Eine Jugenderinnerung lebt auch für Heike Koch aus Obersdorf mit dem Konzert wieder auf. „Es ist schön, wie die Botschaften umschrieben werden“, meint die Zuhörerin. Sie hat die Gruppe Anfang der 1980er im sächsischen Freiberg hautnah erlebt. Die Lust am Zuhören ist geblieben. Neu hinzugekommen ist an jenem Musikabend eine von allen Mitgliedern signierte CD als Erinnerung. Hoffentlich beehren sie die Bühnen Deutschlands noch eine Weile, wünschen sich Koch und Schwarz. „Vor allem mit Werther. Er hat die Lieder mit seiner unverwechselbaren Stimme mit Beginn seiner Zeit als Sänger geprägt.“ Eine Hommage vom Publikum für „Lift“. Eine Hommage von „Lift“ für eine rosige Zukunft des deutschen Rocks. Er werde wieder populärer, spricht Lohse über seine Erfahrungswerte.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 15.03.2016